Unsere Geschichte

In den sechziger Jahren war bei Stadtplanern überall in Deutschland der "Hochhauswahn" ausgebrochen, auch bei denen in Oberursel. Im ehemaligen Weidegebiet Rosengärtchen wurde eine Siedlung mit Hochhäusern aus dem Boden gestampft. Die Ansiedlung der Alte Leipziger-Versicherungsgruppe in der Gartenlandschaft Atzelhöhl zwischen Oberhöchstadter Straße und Königsteiner Straße war beschlossene Sache, ohne daß ein schlüssiges Verkehrskonzept vorlag. Überall in Oberursels Innenstadt drohten Verkehrsstaus. Die Planung und der Bau von Umgehungsstraßen wurde von den Oberurseler Parteien nur halbherzig oder gar nicht  unterstützt. Sie favorisierten Durchgangsstraßen, die die Stadt zerschnitten hätten. Intransparenz der politischen Entscheidungen und eine scheinbar betonharten SPD/FDP-Koalition mit einer hilflosen CDU förderten die Parteienverdroissenheit.

 

Hochhauswahn, drohender sprunghafter Bevölkerungszuwachs und wachsender Verkehrsdruck stießen bei vielen alteingesessenen Oberurseler Bürgern auf Widerstand. Am 31. Oktober 1966 gründeten elf Bürgerinnen und Bürger aus der Dornbachstraße unter Führung von Wilhelm Löhr und Dr. Werner Bode die "Bürgergemeinschaft", schon bald "Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG)" genannt. Die Gründer wollten verhindern, dass ihre Straße zu einer Rennbahn für den Durchgangsverkehr wurde und fühlten sich in den Neubauten nicht sicher genug. Bald schlossen sich mehrere Bürgerinitiativen an. Zu den neuen Aktivisten gehörten Amtsgerichtsdirektor Otto E.Wackermann von der Initiative Oberhöchstadter Berg/ Atzelhöhl, Hans Rey von der Initiative für den Bau von Entlastungsstraßen - Ortsumgehung Oberursel Feldbergzubringer und Weingärtenumgehung und Dr. Konrad Michael von der Initiative Hohemarkstraße/Rosengärtchen.

 

Oberstedten, Stierstadt und Weißkirchen waren damals noch selbstständig.


Überraschungserfolg bei erster Wahl
Zwei Jahre nach der Gründung stellte die OBG für die Kommunalwahl 1968 erstmals eine Liste auf. Sie erhielt 13,5 Prozent der Stimmen, und es kamen auf Anhieb drei OBG-Stadtverordnete ins Stadtparlament, Dr. Werner Bode, Hans Rey und Albert Wolf. Bode wurde Fraktionsvorsitzender und führte auch die OBG insgesamt.

Die ersten Jahre waren für die Mandatsträger eine schwere Zeit. Alle Parteien beäugten die Neulinge mit Misstrauen, da sie eine Änderung der Machtverhältnisse befürchteten. Unterstützung oder wenigstens eine gewisse Toleranz wurde den Anfängern nicht gewährt. Aus wichtigen Ausschüssen blieben sie ausgeschlossen, und damit fehlten ihnen wichtige Entscheidungshilfen.

Nach den Kommunalwahlen von 1972 änderte sich das. Erstmals wurde ein Stadtparlament für die durch Eingemeindungen vergrößerte Stadt gewählt. Die OBG hatte wieder eine attraktive Liste parteiunabhängiger Bürger
aufgestellt, auch aus den Ortsteilen, und sie kam wieder ins Parlament, diesmal mit Sitz in den Ausschüssen und im ehrenamtlichen Magistrat.

Seit fast fünfzig Jahren ununterbrochen dabei

Die OBG ist seit 1968 ununterbrochen im Stadtparlament vertreten mit bis zu sieben Stadtverordneten und im Magistrat mit bis zu zwei ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern. Auch in den Ortsbeiräten von Oberstedten und Stierstadt und im Beirat Bommersheim ist die OBG vertreten. Im Ortsbeirat Weißkirchen war sie es bis 2006 und ist es wieder seit 2016.

 

Im Zeitraum von 1968 bis 1997 sind viele Entscheidungen von der OBG vorangetrieben und mit anderen Fraktionen des Stadtparlamentes gemeinsam auf den Weg gebracht worden. Die kommunalpolitischen Gegner, am Anfang alle Parteien, haben es längst aufgegeben, die OBG als „Vorgartenpartei" zu verunglimpfen, und arbeiteten mehr oder weniger freudig mit ihr zusammen.

 

Ohne OBG weniger Umgehungsstraßen

Ohne die OBG wäre der Bau der Nordumfahrung B 455 neu/A661 und der Weingärtenumgehung nicht erfolgt. Die Nordumfahrung, damals "Feldbergzubringer" genannt, ging zwanzig Jahre lang nur bis zur Lahnstraße. In den Jahren 1978 bis 1984 stellten die im Oberurseler Stadtparlament vertretenen Parteien jeder Couleur den Weiterbau in Frage und hintertrieben ihn teilweise regelrecht. Eine Beerdigung vierter Klasse sollte auch der Weingärtenumfahrung zuteil werden. Die Straßenbauträger - der Bund für die B455 und das Land für die Weingärtenumgehung - hatten klargestellt, dass die Umgehungsstraßen nicht gebaut würden, wenn die Oberurseler Bevölkerung sie nicht wolle.

Nur die Oberurseler Bürgergemeinschaft hielt konsequent und mit sachlichen Argumenten die Fahne der Entlastung vom Durchgangsverkehr hoch. Da steter Tropfen bekanntlich den Stein höhlt, hatte sie schließlich Erfolg, und es fand sich allmählich eine Mehrheit in allen Parteien, die die Entscheidungen für die Straßen im Stadtparlament mittrug.


Weitere Umgehungsstraßen stehen an. Die OBG setzt sich energisch für die Südumfahrung von Weißkirchen ein. Ursprünglich war es die ortsnahe Lösung, die die OBG vehement vertrat, weil sie binnen kurzer Zeit hätte verwirklicht werden können. Doch nach Anwohnerprotesten ist es die ortsferne Variante, die die OBG favorisiert.

 

Im Zusammenhang damit will die OBG auch für Stierstadts Ortskern Entlastung durch eine Umgehungsstraße schaffen, die von der Ortsgrenze nach Oberhöchstadt über bereits bestehende und neue Wegeverbindungen zwischen Steinbach und Stierstadt über die S-Bahn zur geplanten Südumfahrung geht. Diese Westtangente wird bis jetzt von den anderen Fraktionen abgelehnt.

 

Der Bau des alten Hallenbades und insbesondere der Bau der Stadthalle an der jetzigen Stelle sind weitere Erfoplge der OBG. Die Stadthalle als Allzweckhalle hat sich als „Gut Stubb" bewährt. Die OBG setzte sich beim Bau für die Verwendbarkeit als Kino durch den Einbau der teilbaren Empore ein.


Reutter und Häfner stellten Weichen

Auch im sozialen Bereich und für das Vereinsleben hat es zahlreiche von der OBG vorangetriebene Initiativen gegeben. Sie sind personell mit dem Namen des langjährigen Stadtrats und ehrenamtlichen Sozialdezernenten Helmut Reutter verbunden.

Eine der wichtigsten personellen Weichenstellungen der OBG war es, im Jahr 1990 den damaligen Regierungsdirektor im Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr, Eberhard Häfner, als Ersten Stadtrat und Baudezernenten nach Oberursel zu holen.

Dem versierten Fachmann, der bis zum Jahre 2003 im Amt war, gelang es, die Umgehungsstraßenbauten wie den Tunnel 455 neu - Eichwäldchen und die Bahnunterführung Gablonzerstraße-Weingärtenumgehung sowie den Bau der U-Bahn-Haltestelle Rosengärtchen und den Bau des S-Bahnhaltepunktes Stierstadt zu ermöglichen.

 

Drama um das Hallenbad

Das Hallenbad wurde im Laufe der Zeit renovierungsbedürftig und hätte sich auch wiederherstellen lassen. Leider stand die OBG mit dieser Forderung allein auf weiter Flur. Alle anderen Fraktionen wollten keinen Euro mehr in die Erneuerung des Daches und der Technik investieren, die das alte Hallenbad auf weitere zwanzig Jahre funktionsfähig gehalten hätte.

 

Von 1981 bis 2005 koalierte die OBG im Stadtparlament mit CDU und FDP im Zweier- und Dreierbündbnis. Nach der Kommunalwahl 2011 bildeten OBG, SPD und Bündnis 90/Die Grünen eine Koalition. Erstmals stellte die OBG mit Dr. Christoph Müllerleile den Stadtverordnetenvorsteher.  Im Herbst 2012 hatte sich die OBG auf Grund düsterer Haushaltszahlen und unzureichender Ausschreibung gegen den sofortigen Neubau eines neuen Hallenbades ausgesprochen. Die Koalitionspartner von SPD und Grünen wollten den Hallenbadneubau zusammen mit der CDU sofort realisieren. Die Koalition zerbrach darauf hin.

 

Spitzen der OBG

Derzeitiger Fraktionsvorsitzender ist Georg Braun, OBG-Vorsitzender Frank Kothe.

 

Frühere Fraktionsvorsitzende sind Dr. Werner Bode, Karl Böhle, Wolfgang Pristaff, Klaus Weigand,  Friedrich Krause und Dr. Christoph Müllerleile.

 

Frühere OBG-Vorsitzende sind

Wilhelm Löhr, Dr. Werner Bode, Ilse Flötenmeier, Wolfgang Pristaff, Claus Marzluf, Robert Rethfeld.

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